Begonnen hat mein Werden natürlich damit, daß meine Seele sich ein Zuhause bei meinen Eltern ausgesucht hat.
Ich durfte eine wunderschöne, behütete Kindheit verleben. Als Kind sah ich das naturgemäß manchmal anders, denn wir hatten nie viel Geld und so hatte ich nie Markenkleidung oder teures Spielzeug. Aber es ging uns gut. Die Familie war intakt und ich hatte eine liebevolles Umfeld. Alleine das unterscheidet mich schon von so mancher Hexe, die betont, daß ihre Kindheit "unruhig" verlief.

In meiner Jugend war ich immer eine Außenseiterin - ich hatte mich selbst dazu gemacht. Die Musik war nicht die meine, ich hörte lieber guten alten Rock´n Roll, aber damit war ich natürlich alleine. Über Markenklamotten konnte - und wollte- ich nicht mitreden. Das interessierte mich nicht. Lieber saß ich mit einem Buch in einer Ecke als bei den anderen Jugendlichen. Schon damals war ich aber oft die "Kummertante" für andere. Zwar wollte man mit mir nicht so recht etwas zu tun haben, aber um Sorgen loszuwerden suchte man meine Nähe. Und ich ließ sie reden, hörte einfach nur zu. Und es war gut.

Ich begann zu dieser Zeit zu "sehen". Nichts großartiges erst. Schatten an Wänden wo keine sein konnten, Bewegungen in den Augenwinkeln. Ich begann die Nähe von Wesen zu spüren, die ich nicht sehen konnte. Doch Angst hatte ich nicht davor. Ich hielt es für "normal", was es für mich ja auch war. Daß andere Menschen diese Dinge nicht wahrnehmen konnten, das merkte ich erst später.

Ich war nun knappe 15 Jahre alt. Meine Hobbys waren die Kryptozoologie, Mineralien und Edelsteine, mit Begeisterung las ich Bücher über Übersinnliche Phänomene und Außersinnliche Wahrnehmungen. Auch liebte ich Götter und Heldensagen aus verschiedenen Kulturen - besonders die Deutschen. Das Niebelungenlied mag ich heute noch sehr. Immer weiter entfernte ich mich deshalb von anderen meines Alters. Sprachen sie doch von Jungs bzw. Mädchen, gingen in Discotheken und sahen ihre Wochenendgestaltung darin, etwas trinken zu gehen und "einen draufzumachen".

Mit beinahe 18 Jahren zog ich in eine eigene Wohnung und begann meinen Weg zu gehen. Glaube war mir wichtig, jedoch konnte mein Bedürfnis - meine Vorstellung von Glaube nicht durch das Christentum gestillt werden. Zuviele Widersprüche fanden sich meiner Meinung nach in diesem Weg. Ich suchte etwas, das mehr mit der Natur verbunden war, und diese nicht als Gottes Geschenk an die Menschen sah, sondern als etwas Lebendiges, etwas von dem wir Menschen ein Teil sind.

Ich landete also bei Naturreligionen. Interessierte mich für das Keltische, das Druidentum und schießlich fand ich im Hexentum ein spirituelles Zuhause. Und doch... nach langen Jahren stimmte etwas nicht mehr.

Ich war ständig müde, wurde von Weinkrämpfen geschüttelt, obwohl ich keinen Grund hatte traurig zu sein. Ich war ja noch nicht mal traurig. Doch ich war verloren. Zumindest fühlte ich mich so. Einer damaligen Freundin schüttete ich schließlich mein Herz aus. Ich beschrieb meinen Zustand so:
"Es ist, als ob ich in einem langen Flur stehe, es ist düster dort, links und rechts sind viele Türen, aber ich weiß, sie alle sind abgeschlossen. Hinter mir schlagen Türen zu, aber es öffnet sich keine neue Tür für mich." Manchmal hatte ich das Gefühl wie bestellt und nicht abgeholt in der Gegend rumzustehen.

Das wurde jedoch ausgenutzt. Bereit jeden Rat anzunehmen, versuchte ich auf Geheiß mein wahres Selbst zu verleugnen und mich neuen Wegen zu öffnen. Ich sollte die Hexe in mir ablegen und nur noch Heilerin sein. Mit dem Resultat, daß ich zwar einige Probleme losließ aber innerlich leer war. Die Sache eskalierte in einem Streit. Ich konnte und wollte mich nicht gedankenlos der Führung anderer anvertrauen, da ich der Meinung war (und bin), daß jeder Mensch selbst Erfahrungen sammeln muß. Und so verband ich für mich die Hexe mit der Heilerin und plötzlich - ohne Führung eines anderen- fühlte ich mich wohl und ganz.
Dies ist also nun der Weg den ich gehe. Ob er richtig ist, kann ich nicht sagen. ich weiß nur, daß er sich richtig anfühlt. Und darum gehe ich ihn weiter.

Im Februar 2005 legte ich meine Arbeit für und mit Junghexen nieder. Nicht, daß ich nicht mehr wollte... ich konnte einfach nicht mehr. Es war an der Zeit mir eine Auszeit zu nehmen und mich wieder verstärkt um mich selbst und mein Leben zu kümmern, das in jener Zeit nicht ganz einfach war. Im November 2004 hatte ich meinen Vater verloren, und diesen Verlust mußte ich aufarbeiten. Das geht natürlich nicht so recht, wenn man sich tagtäglich um fremde Sorgen kümmern muß. Auch sollte in dieser Zeit die Familie an erster Stelle stehen, denn nachdem jeder für sich die Trauer zu bewältigen versucht hatte, konnten wir dies nun gemeinsam tun.

Inzwischen - nun ist der August 2005 schon fast zur Hälfte um - habe ich mit der Hilfe von lieben Freunden, meiner Familie und teilweise völlig fremder Menschen, die mir zuhörten und mir Kraft gaben, wieder den Mut gefunden einen Neubeginn als "Junghexenbeteuerin" zu machen. Allerdings möchte ich nicht mehr als Junghexenmutti gesehen werden. Lieber große Schwester oder Freundin...